Entspannt durch Corona-Zeiten…?

Workouts auf dem Balkon… geht auch 🙂

Schwierig, aber machbar / Blickwinkel verändern

Es ist eine gruselige Zeit gerade. Wer findet das nicht?  Wir erleben eine Situation, die es so noch nie zuvor gegeben hat. Mir ist danach, Euch von meinen letzten zwei bis drei Wochen zu erzählen: Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber anfangs ging es immer hin und her  zwischen Gelassenheit, Sorgen, Zweifeln, Optimismus, Normalität, Ahnungen, es könnte noch anderes auf uns zu kommen… Anfangs lief ja weitestgehend alles noch normal weiter. Doch täglich änderte sich die Situation, die Dramatik nahm zu.

Langsam ahnte ich, dass es wohl noch sehr viel schlimmer kommen könnte. Ich ertappte mich dabei, ständig die Nachrichten zu checken, was es wieder Neues gab. Posts bei Facebook zu lesen, Radio oder TV anzuschalten… Bis ich merkte, dass auch das nicht wirklich förderlich war, denn für das, was zu tun war, fehlte plötzlich die Konzentration. Außerdem kursierten so viele widersprüchliche News, dass einem schwindelig wurde. Viele Fakes, viel Panikmache auf manchen Kanälen. 

Handlungsradius wurde immer enger

Also versuchte ich mich abzuschotten, soweit wie möglich. Nur „heute“ oder die „tagesschau“ am Abend schauen und gelegentlich die ein oder andere Nachrichtensendung im Radio hören. Doch auch das war auf Dauer ausschließlich nicht möglich, denn die Kreise, die Corona zog, wurden immer enger. Der Handlungsradius immer kleiner. Thematisch drehte es sich überall nur noch um dieses Thema – egal, wo ich war oder hinkam. 

Es brauchte also seine Zeit, bis es wirklich angekommen war. Dann hieß es wirklich umschalten auf den Modus „Bleiben wir jetzt zu Hause“ und besorgen uns nur das Nötigste. Jetzt ist es mittlerweile so, dass wir uns eingerichtet, es verstanden haben. Bei manch‘ anderen dauert es möglicherweise noch länger… Gerade kurz ein Rezept in der Apotheke abgeholt – die Einkaufsstraße der Ortschaft: Wie immer. Keine Parkplätze zu bekommen, auf und ab eilende Menschen, die ihre Einkäufe erledigen – so als wäre nichts gewesen. Da höre ich, dass im Ort am Abend noch Partys gefeiert wurden, Trupps von Jugendlichen durch die Straßen ziehen – was ist los? Ist es Ignoranz? Ist es Oberflächlichkeit? Nicht-Verstehen-wollen? Was ist es?

Zeit anders nutzen

Natürlich gefällt niemandem von uns diese Situation der zunehmenden Verengung unseres so wertvollen Freiheitsgefühls – aber vielleicht setzen wir den Zustand einmal ins Verhältnis: Die meisten von uns sind (noch) gesund. Wir haben Zeit geschenkt bekommen – nicht im Sinne von mehr Stunden – natürlich nicht. Nein, Zeit, die wir anders nutzen müssen: Sinnvoll, wertvoll verbringen können. Die Sonne auf dem Balkon genießen, Workout auf dem Balkon, ein Spaziergang durch den Wald, eher mit dem Fahrrad zur Apotheke oder zum Bäcker, spielen mit den Kindern, lesen, mal wieder ein frisch gekochtes Abendessen mit meinem Partner, gemütlich gemeinsam ein Glas Wein trinken und klönen. Oder, oder… All das, was wir uns ersehen, wenn wir an Urlaub denken. Nun hat der Zustand leider nicht viel damit zu tun. 

Viele Sorgen und offene Fragen

Denn ja, wenn da nicht die Sorge um den Job, bei Vielen sicher auch um die Existenz, Angst vor Ansteckung, Einsamkeit, fehlen sozialer Kontakte wäre… Da hilft es nur, wenn der erste Schock überwunden ist, möglichst wieder zuversichtlich nach vorne zu schauen: Sich zu informieren, wer bietet wo in welchem Fall Hilfe, Unterstützung, die Bundesregierung schnürt gerade ein Paket für alle Beteiligten, was die finanzielle Seite betrifft. Vertrauen wir darauf, dass es ankommt. Viele Firmen, Startups bieten online Angebote umsonst an. Webinare zu Themen dieser Zeit, Yoga-, Sport- und Workoutkurse via Internet – warum nicht Yoga im Wohnzimmer? Geht auch. Gemeinsam mit der ganzen Familie. 

Schreiben, helfen, telefonieren

Was die emotionale Ebene betrifft, gibt es auch verschiedene Hilfsangebote: Wird die Einsamkeit zu groß gibt es telefonische Seelsorgeangebote, der Gemeindepfarrer ist mit Sicherheit auch telefonisch erreichbar, viele Therapeuten bieten psychologische Unterstützung auch online oder am Telefon an. Freunde, Familie aktivieren, telefonieren, schreiben… Nur persönlich treffen ist halt gerade aus guten Gründen nicht  angesagt. 

Wir haben keine Not

Ich versuche mir in Momenten der aufkommenden Genervtheit, Ungeduld, Frust oder auch Ärger über das ein oder andere immer zu sagen: Wir sind gesund, wir haben größtenteils unsere kuscheligen Häuser und Wohnungen, etwas zu essen, ein warmes Bett, Balkone oder Gärten. Bücher und Zeitungen, in Teilen unsere Jobs, die wir von zu Hause erledigen können. Wir sind nicht vom Tod bedroht, zumindest nicht diejenigen, die gesund oder Risikogruppe sind, es fallen keine Bomben und wir leiden ansonsten keine Not. 

Oder: Wir schauen nach Alternativen – wo kann ich mich nützlich machen, wer könnte mich jetzt brauchen?  Was kann ich in diesen Zeiten von zu Hause regeln, das ich schon immer mal erledigen wollte. 

Und vielleicht, ist es ja sogar so, dass diese Krise uns enger zusammenschweißt, wieder menschlicher werden lässt, liebevoller und umsichtiger miteinander umgehen lässt, reflektieren lässt, was wirklich wichtig ist und was wir künftig auch einfach sein lassen können, weil wir gemerkt haben, dass es eigentlich nicht nötig ist. 

Möglicherweise soll diese Krise auch der „Zwangs-Entschleunigung“ dienen. Ein immer höher, immer schneller, immer weiter fühlte sich eigentlich schon seit vielen Jahren nicht wirklich gesund an und ist für uns Menschen auch gar nicht so gedacht. 

Vater und Sohn mit Fernglas

Viele, viele Posts, Erlebnisse in meinem Umfeld machen Hoffnung: Italiener singen auf Balkonen, die Deutschen rufen zu gleichen Aktionen auf, im Wald gehen zahlreiche Familien zusammen spazieren, fahren Fahrrad, junge Leute entdecken (möglicherweise erstmals) das Spazierengehen, es wird im Wald gespielt, Tiere beobachtet. Gestern sah ich einen Vater mit seinem Sohn samt Fernglas Rehe beobachten. 

Um uns herum ist es stiller geworden, die Vögel scheinen lauter zu singen. Weniger Flugverkehr am Himmel, weniger Autos auf den Straßen. 

Der Umwelt wird es allemal guttun, was gerade passiert. Und vielleicht sollten auch wir zu einer Lebensweise zurückkehren, die uns allen dienen würde. Das ist die Perspektive von oben als Ganzes. 

Jeder trägt seine ganz persönlichen Konsequenzen

Für jeden einzelnen hat Corona ganz eigene Konsequenzen. Was ist mit den Abiturienten, die kurz vor ihrem Abschluss stehen? Das Abitur als Endpunkt einer langen Schullaufbahn zum Greifen nah war… Abschiedsfeiern ausfallen.. Das ist traurig. 

Viele Prüfungen an Universitäten finden nicht statt, die Unis sind geschlossen. Andere Abschlüsse schlicht auf irgendwann später vertagt. Kurzarbeit und damit weniger Lohn… Drohende Arbeitslosigkeit, abgesagte private Feiern, auf die man sich schon so lange vorbereitet und gefreut hatte. Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, alles auf später, auf  irgendwann verschoben. 

Das Leben passiert gerade nicht in unserem Sinne

Sicher weiß jeder von Euch etwas anderes zu berichten: Und am Ende hilft nur: „Es ist gerade nicht zu ändern“. Das ist unbefriedigend. Ja. Wir erleben nun alle am eigenen Leib: Wir machen Pläne, doch das Leben passiert. Und jetzt gerade einmal so, wie wir es nicht vorgesehen hatten. 

Es könnte hilfreich sein, auf die Kinder zu schauen. Gerade die jüngeren, die gerade gar nicht begreifen, was passiert. Sich wohl eher darüber freuen, Mama UND Papa einfach einmal öfter zu sehen. Nicht morgens hektisch gestresst, schon früh in den Kindergarten, zur Tagesmutter oder in den Hort zu müssen. Freuen wir uns mit ihnen, dass wir mehr Zeit mit ihnen verbringen können.  

Das war die andere Seite, ein Bild, das mich letzte Tage traurig stimmte: Ein kleiner Kerl von vielleicht knapp über zwei Jahren saß mit sorgenvollem und traurigem Blick im Kinderwagen und schaute über die Schulter zu Mama und ihrer Freundin. Sie unterhielten sich in sehr angespanntem Ton über die großen Sorgen und Unsicherheiten, die sie jetzt gerade beherrschen. Es ging um Geld, es ging um Hilflosigkeiten, um Sorgen in der Zukunft. Das ist verständlich. Ja, die haben jetzt viele von uns. Aber bitte versuchen wir doch, diese Themen nicht im Beisein der Kinder zu besprechen. Sie bekommen das mit und werden die Welt nicht verstehen. Es bringt große Unsicherheit, die besonders für Kinder bedrohlich sein kann. Sind sie klein, können und sollten wir ihnen derartige Sorgen auch nicht wortreich erklären. Das sind Erwachsenenthemen – die können Kinder nicht (be-) greifen. 

Zeit mit Kindern genießen

Versuchen wir doch lieber die Zeit mit ihnen zu genießen, zu spielen, sich auf ihre Blickrichtung einzulassen, sich über die Raupe am Boden, die Blümchen auf dem Feld und das erwachende Grün des Frühlings überall zu freuen. 

Und je mehr wir versuchen, die Situation jetzt so anzunehmen, wie sie nun einmal ist, ein paar Wochen wirklich die Empfehlungen zu Herzen zu nehmen, zu Hause bleiben, soweit es geht, um dann hoffentlich um eine komplette Ausgangssperre herumzukommen.  

Ich wünsche uns Allen Geduld, Gesundheit, Energie und Kraft, sich jetzt Aufgaben zu widmen, die uns nicht verzweifeln lassen, die uns hoffen lassen und zusammenschweißen. 

Natürlich sollen all jene nicht unerwähnt bleiben, die gerade Unglaubliches leisten: Krankenhauspersonal, Ärzte, Pfleger und noch so viele mehr. Als Dank für ihre Arbeit, sollten wir einfach zu Hause bleiben, um das gesamte Gesundheitswesen nicht noch mehr zu belasten – und vor allem möglichst dazu beitragen, dass Corona sich nicht noch weiter unkontrolliert verbreiten kann.

Wer Lust hat, schreibe mir gern seine ganz persönlichen Erfahrungen in dieser Krisenzeit.

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