Ideen kommen dem Kinderbuchautor auch beim Sport

Jörg Hilbert ist der „Vater“ von Ritter Rost….

 

Nicht nur die Texte zu den Geschichten schreibt er selber, auch die Bilder, Grafiken, Cover der Bücher erstellt er. Jörg Hilbert ist Autor. Studiert hat er Grafikdesign. Hat auch jahrelang in dem Beruf gearbeitet, um eine solide Basis zu haben. Nebenbei hat er immer schon geschrieben.

Bevor er als Autor von seinem Beruf leben konnte, hat er viele Jahre in Agenturen als Grafikdesigner gearbeitet. Prospekte, Buchgestaltungen, Zeichnungen, Coverentwürfe waren Inhalte seiner täglichen Arbeit. Aber er hatte schon ganz früh immer ein freiberufliches künstlerisches Standbein. „Ich habe Karikaturen für Zeitungen gemacht, Ausstellungen gehabt, Cartoons gezeichnet“, erzählt Jörg Hilbert. Naja, und Ritter Rost schlummerte zehn Jahre in seiner Schublade. „Zu Beginn haben mir die Verlage die Texte um die Ohren gehauen“. Er wusste immer um das Potenzial der Geschichten. Getreu dem Motto Gut Ding will Weile haben, ging er weiter des Autorenweges. Wie gut, dass er dran blieb. Heute werden die Ritter Rost-Stücke bundesweit aufgeführt.

Unterrichtsmaterialien sind entstanden, andere kleinere weniger bekannte Geschichten, eine Schachlernvariante Fritz & Fertig, die in 30 Ländern erschienen ist. Und ganz aktuell: Ein Kinofilm zu Ritter Rost in 3-D ist heraus gekommen und eine TV-Serie zu dem kleinen rostigen Helden gestartet. Das Geheimnis seines Erfolgs? Jörg Hilbert lacht. „Wenn jemand wirklich weiß und merkt, dass er etwas gut kann, dann muss er konsequent dran bleiben“. Jörg Hilbert hat schon als Schüler in der dritten Klasse gewusst, dass er einmal schreiben möchte. Zeichnen konnte er auch immer schon gut. Heute weiß er: „Ich bin als Autor geboren“. Inwieweit hier die Gene eine Rolle spielen? Wer weiß. Zumindest ist er über mehrere Ecken mit dem bekannten Schriftsteller, Kabarettisten und Maler Joachim Ringelnatz verwandt, der vor allem durch seine humoristischen Gedichte bekannt geworden ist.

Eines weiß er sicher: Alle beruflichen Stationen seines Werdegangs haben sich am Ende zu einem großen Gesamten zusammengefügt. Er hat immer gezeichnet, geschrieben – zahlreiche Notizblöcke schlummern heute auf dem Dachboden.

Genossen habe er  die große Freiheit seines Berufes. Nie sei er angestellt gewesen, habe immer frei gearbeitet. Das kannte er wiederum aus dem Elternhaus. Sein Vater war Industriedesigner und auch freiberuflich tätig. Ist sicherlich auch nicht für jeden etwas. Man muss sich stets  selber motivieren, seine Arbeit einteilen, sich in Felder einarbeiten, die neu sind. Und sei es nur, was die Gestaltung der  Verträge mit Verlagen betrifft.  Als Künstler muss man sich ein Stück selbst verkaufen. Das falle vielen Menschen schwer, müsse man aber lernen. Ohne das geht es heute nicht, ist Jörg Hilbert sicher.

DEN Weg zum Autorendasein gibt es nicht. Dafür gibt es keine Ausbildung, kein Studium. Der entwickelt sich in der Regel.  Oft ist eine inhaltsnahe Ausbildung/ Studium aber eine sinnvolle Lösung, zumal man im Notfall auch darauf zurückgreifen kann. Er erzählt in dem Zusammenhang von einer jungen Sängerin, die jetzt um die 30 Jahre ist und gerade bekannt wird. Aber in der Branche verglühen die „Sterne nach ein paar Jahren“… Sie ist Lehrerin und hat dann später etwas, auf das sie zurückgreifen kann.

Nicht zuletzt hat sich auch Jörg Hilbert ganz zu Beginn mit viel freiberuflicher Tätigkeit bei Zeitungen sein Studium finanziert und auch hinterher, als er schon schrieb und für Ritter Rost zeichnete, als Grafikdesigner sein Einkommen wie damit Auskommen hatte und nebenbei freiberuflich als Autor arbeitete. Erst etwas mit Mitte 35 war klar: Jetzt kann ich vom Schreiben leben, damit kündigte er alle Kundenkontakte in Sachen Design und konzentrierte sich fortan ganz auf die Arbeit an seinen Kinderbüchern. Woher nimmt er die Ideen? Die kommen. Sie haben auch viel mit mir, meiner eigenen Geschichte zu tun, sagt Autor Hilbert. Allerdings, würde er behaupten, habe er auch eine „blühende Phantasie“.

Das Besondere an seiner Tätigkeit sieht er in der Vielseitigkeit. Ich schreibe, ich gestalte, ich illustriere, mache den Umbruch – „das ist wohl meine Stärke, dass ich das alles ziemlich gut kann“, schmunzelt Jörg Hilbert. Aber die Grundbegabungen hat er auch immer gepflegt, immer dran gearbeitet und weiter entwickelt.

Als Grafikdesigner hat er die bürgerliche Variante in der Sparte der künstlerischen Berufe gewählt. Man braucht eine hohe Frustrationstoleranz. Einen Tag fühlt man sich, als sei man der „Größte“, um sich schon am nächsten Tage wieder als der Kleinste zu fühlen…Nur weil ich es bin, der eine Sache gemacht hat, ist sie noch lange nicht gut, weiß Jörg Hilbert aus Erfahrung.

Den größten Reiz seiner Tätigkeit sieht er in der Verwirklichung seiner Ideen. Der meiste Teil seiner Arbeit hat nach Fertigstellung tatsächlich etwas mit ihm ganz persönlich zu tun.

Ein ganz normaler Arbeitstag ist bei dem Kinderbuchautor relativ leicht zu beschreiben. Nach dem Frühstück geht er direkt in sein Arbeitszimmer und beginnt dort mit dem kreativen Teil seiner Arbeit. „Ich schreibe und zeichne mit höchster Konzentration besonders am Vormittag.“ Am Nachmittag erledigt er dann die Aufgaben, die nicht ganz so viel seiner Konzentration benötigen. Allgemeiner Schriftverkehr, Verwaltungsaufgaben, Organisatorischen rund um den Job. Natürlich ist er auch zu Verlagen, Lesungen, Veranstaltungen in eigener Sache unterwegs.

Technisch hat sich auch sein Beruf enorm verändert in den letzten 20 Jahren. Die Computertechnologie macht es möglich, dass er jetzt viele Arbeitsschritte selbst erledigen kann. Früher brauchte man für jeden Schritt jemand  anderen: Setzer, Lithographen, Layouter – das kann und muss man heute alles allein erledigen.

Und wann ist sein Arbeitstag beendet? „Das Ende gibt es nicht. Als Autor ist man eigentlich ständig aktiv. Denkprozesse, Ideenfindung, Formulierungen, Zeichnungen – all das ist ständig in seinem Kopf und will beizeiten verarbeitet werden. Hat der Autor einmal Gedankenknoten, die es zu lösen gilt, geht er joggen oder macht Musik mit seiner Gitarre oder Laute.

Zum Glück hat Jörg Hilbert dann auch immer gleich sein Notizbuch dabei, um die Lösung zu notieren. „Meine Freunde beim Sport lachen immer schon, wenn ich plötzlich zu meiner Tasche gehe, um etwas zu notieren. Dann ist mir wieder eine Formulierung in den Sinn gekommen,“ erzählt Jörg Hilbert.

Übrigens, wer mehr über Berufsbilder, Berufswelten wissen möchte, bestelle gern mein Buch „Was will ich werden“. Dort ist auch das Porträt von Jörg Hilbert drin. Viele Tipps für 40 verschiedene Berufe sind dort beschrieben. Ein Blick hinter die Kulisse – die Interviewten erzählen von ihren Ausbildungen, ihren Wegen in den Beruf.

 

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