Vom Essensfrust zur Essenslust

Wenn das Essen immer Thema ist… Eine Therapie kann helfen.

Wann wir nicht mehr nur von Heißhungerattacken sprechen können

„Wenn die Seele Hunger hat“ und Essen zum Zwang wird, werden große Mengen an meist ungesunden Nahrungsmitteln wie Chips, Schokolade & Co. in sich hineingestopft. Es kann sich um eine Essstörung, dem sogenannten Binge Eating, handeln. Wo sie anfängt, wie sie verläuft und was Betroffene tun können, erzählt uns die Heilpraktikerin für Psychotherapie und Ernährungsberaterin Uta Bammel im Gespräch.

Seit zehn Jahren hat sie sich auf diese Problematik spezialisiert und berät Betroffene in allen Fragen der gesunden Lebensführung – vor allem was in diesem besonderen Fall das Thema Essen betrifft. „Ganz häufig ist es einfach so, dass Betroffene gar nicht wissen, dass ihr Essverhalten etwas mit der Psyche zu tun haben könnte, und vor allen Dingen, dass man etwas tun kann, um dieses Füttern der Seele durch große Mengen an Nahrungsmitteln zu verhindern“, erläutert Uta Bammel. Bei ganz vielen Menschen, die mit Übergewicht zu kämpfen haben, liege eine Binge Eating-Problematik zu Grunde, weiß sie aus ihrer Praxiserfahrung und aus Berichten von Kliniken, die die größte Problematik bei Essproblemen ebenso im emotionalen Essen sehen. „Viele meiner Klienten sind erleichtert, wenn sie erfahren, dass ihr Leiden einen Namen hat und sie aktiv mit Hilfe daran arbeiten können“, erläutert sie aus ihrer Praxis.

Essattacke mit Kontrollverlust

Die Betroffenen haben meist schon einen jahrelangen Leidensweg hinter sich. Die Problematik beginnt mit einer Tüte Chips oder einer Tafel Schokolade, geschieht das einmal,  kann es sich schlichtweg um eine Heißhungerattacke handeln, die auch rein physiologisch durch zu viel oder zu wenig Zucker oder Kohlehydrate bedingt sein kann. Gelegentliche Heißhungerattacken können sich aber weiter auswachsen – und das bis zu 7000 Kalorien pro Stunde. Essattacken begleitet von Kontrollverlust sind ein Hauptsymptom dieser Erkrankung. Erst komme die Befriedigung, dann der Schmerz und das Übelsein, dann die Scham und der Ekel vor sich selbst, versagt zu haben und disziplinlos zu sein. „Ein Teufelskreis, aus dem Betroffene schwer allein herausfinden“, weiß die Therapeutin.

Binge Eating und die Psyche

Häufig haben diese Menschen ein wenig ausgeprägtes Selbstwertgefühl, sind nicht gut in ihrer Selbstwirksamkeit (also sind sich nicht bewusst, dass sie an diesen Eigenschaften arbeiten können). Manche haben traumatische Erlebnisse wie z.B. Missbrauch in ihrer Kindheit durchlebt. „Das muss aufgearbeitet werden“, ist Uta Bammel sicher. Sie geht noch weiter. Eigentlich fehle ein Baustein in unserem herkömmlichen Behandlungssystem. Das Übergwicht wird oft als Ursache und nicht als Symptom wahrgenommen.  So wird meistens eine Ernährungsempfehlung ausgesprochen, nach Diabetes geschaut oder gar zu einer operativen Magenverkleinerung geraten. „Diese ist beim Binge Eating eine absolute Kontraindikation“, warnt sie. Denn wenn der Magen die großen Mengen nicht auffangen kann, kann es zu schwerwiegenden inneren Verletzungen kommen. Grundsätzlich sollten wir hier umdenken, und zum einen mehr nach den Ursachen schauen, zum anderen aber auch eng vernetzt interdisziplinär mit Ärzten, Ernährungsberatern und Therapeuten arbeiten.

Therapie kann bei Übergewicht helfen

Wenn man bedenkt, dass erstmalig zu Beginn dieses Jahres von der NCD Risk Factor Collaboration, einem Netzwerk von Gesundheitsforschern, worauf sich auch die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel berufen hat, festgestellt wurde, dass es mehr Menschen mit Übergewicht als mit Untergewicht gibt, lässt einen diese Tatsache nachdenklich zurück. Bammel ist sicher: „Bei einem BMI von über 35 ist eine Binge Eating Problematik ursächlich.“

Uta Bammel erarbeitet mit ihren Patienten Problemlösungsstrategien, innere Leere wieder zu füllen. Und das nicht mittels Nahrungsaufnahme. Sie versucht ihre Klienten zu sensibilisieren. In welchen Situationen wird gegessen? Warum wird gegessen? Was hat wirklich mit Ernährung, was gegebenenfalls mit Emotionen zu tun? Es geht ihr also vor allem darum, achtsam und genussvoll zu essen. Ihr Credo: Weg vom Essenfrust hin zur Essenslust. „Ein großes Problem ist, dass Betroffene nicht über ihre Probleme sprechen. Sie erzählen es meist niemandem aus Schamgefühl“, so Uta Bammel.

Probleme „in sich hineinfressen“

„Vielen ist aber einfach auch gar nicht klar, dass es ein Problem ist“, erläutert Uta Bammel. Emotionale Belastungen, Probleme, Sorgen werden buchstäblich „in sich hineingefressen“. Häufig sind im Hintergrund der Betroffenen auch ganz andere Probleme: Wie zufrieden und glücklich bin ich insgesamt? Wie läuft es in meiner Partnerschaft? Welche Beziehungen tun mir gut in meinem Umfeld, welche vielleicht weniger? Ganz oft steht dann nämlich gar nicht mehr die Essthematik im Vordergrund, sondern ganz andere Konflikte, die bearbeitet werden können.

Kleine Korrekturen möglich

Ab wann Betroffene den Kontakt zu einem Experten aufnehmen sollten? „Da die Problematik klein anfängt, so früh wie möglich“, sagt die Therapeutin. Wenn ich irgendwie das Gefühl habe, dass mit meinem Essverhalten etwas nicht stimmt, sollte ich zumindest schon einmal jemanden fragen. „Es ist ja auch hilfreich einfach zu hören, dass jemand beispielsweise gar keine Essstörung hat, sondern eine kleine Korrektur im alltäglichen Essverhalten schon helfen kann.“ Natürlich benötige nicht jeder gleich eine Therapie.

Da Uta Bammel aber nicht nur Therapeutin, sondern auch Ernährungsberaterin ist, hat sie auch hier verschiedene Werkzeuge, um gesunde Pläne mit ihren Klienten zu erarbeiten.

Immer wieder bietet sie Kurse zu dem Thema an.

Wer mehr wissen, rufe unverbindlich in der Praxis für Psychotherapie EssensLust unter Tel. 02054/9398663 an oder schreibe eine E-Mail an praxis@uta-bammel.de.

 

 

 

 

 

 

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